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 Die Sklerosierungs- und Proliferationstherapie

 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, dessen Ende nicht absehbar scheint. Für viele wird der Besuch beim Arzt, „um sich die Spritze abzuholen“, zu einem wiederkehrenden Ritual. Doch es gibt Alternativen: Der Bochumer Orthopäde Herr Zarske behandelt seine Patienten mit der Sklerosierungs- bzw. Proliferationstherapie. Wie das funktioniert, erklärt er jetzt.
Herr Zarske, bei uns ist die Sklerosierungstherapie nicht so bekannt wie beispielsweise in den USA. Wann wird sie angewendet?
Die Sklerosierungstherapie wird mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten bei entsprechender Indikation von dafür ausgebildeten Orthopäden durchgeführt. Sie basierte zunächst auf der sogenannten Erfahrungsmedizin und wurde in den USA entwickelt. Während der Anwendungs-bereich in den letzten 10 Jahren modifiziert und erheblich erweitert wurde, konnte die Wirksamkeit dieses Therapieverfahrens nunmehr auch wissenschaftlich gesichert werden.
Indikationen für dieses Behandlungsverfahren sind in erster Linie Blockierungen kleiner Wirbelbogengelenke sowie Instabilitäten im Bereich der HWS, der LWS sowie der Kreuzdarm-beingelenke, d.h. die Sklerosierungstherapie kommt zur Anwendung bei Problemen im Bereich der Bandscheiben, der Wirbelbogengelenke sowie der Kapsel-Band-Strukturen.
In Abhängigkeit vom Alter des Patienten, vom genetischen Material (Erbgut) und der beruflichen und sportlichen Belastung steht häufig im Bereich vor allem der Hals- und Lendenwirbelsäule eine Höhenminderung der Zwischenwirbelräume im Vordergrund. Diese wird durch strukturelle Bandscheibenveränderungen hervorgerufen und ist oftmals verbunden mit einer Überlastung der zwischen den Dornfortsätzen gelegenen Muskeln und Bandstrukturen sowie der kleinen Wirbelbogengelenke (Facetten). Dies führt nicht selten zu sogenannten Facettenarthrosen.
Das Vorgehen im Einzelnen: Durch die Injektion einer 40% igen Glucoselösung in die Wirbelbogengelenke kommt es zu einem Konzentrationsgefälle zwischen den Gelenken und den gelenkumgebenden Strukturen, wobei extraartikulär (d.h. außerhalb der Gelenke) vermehrt Wassermoleküle nachzuweisen sind. Dies führt mittels Diffusion zu einem Ausgleich dieses Konzentrationsgefälles und dadurch zu einer Entlastung der Wirbelbogengelenke. Durch dieses Phänomen reduziert sich auch der durch Bandscheibenläsionen bedingte erhöhte Bandscheibeninnendruck, sodass die Bandscheiben ebenfalls durch verbesserte Diffusion besser versorgt werden.
Durch Injektionen einer ebenfalls 40%igen Glucoselösung in den Kapsel-Band-Apparat kommt es über eine Gewebereizung zur Aktivierung von bestimmten Bindegewebszellen und somit zur Bildung von gefäßreichem Bindegewebe (Granulationsgewebe). Dadurch werden blockierte und/oder hypermobile Gelenke einerseits sowie andererseits der gelockerte Kapsel-Band-Apparat des entsprechenden Bewegungssegemntes gefestigt sowie der lokale Schmerz gelindert bzw. beseitigt.
Diese Sklerosierungstherapie ist unter Berücksichtigung der Angaben des Patienten sowie der klinischen und bildgebenden Untersuchungsbefunde in der Regel bis zu sechsmal erforderlich.
Amerikanische Ärzte und Wissenschaftler haben diese Therapie im sog. Doppelblindversuch getestet. Bei zwei Versuchen im Jahre 1987 (Ongley/Dorman) und 1993 (Klein/Eek) waren sie sogar bei 90% ihrer Patienten erfolgreich.
Somit ist dieses Verfahren eine adäquate Alternative vor allem zur konventionellen Kortison-therapie, da die bekannten, durch Kortisoninjektionen hervorgerufenen Nebenwirkungen gänzlich fehlen. Es bietet Therapiemöglichkeiten bei chronischen Schmerzen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule, wobei sich auch dann noch Erfolge einstellen können, wenn selbst Kortisonin-jektionen bereits wirkungslos geworden sind.
Seit einigen Jahren macht darüber hinaus eine neue Behandlungsmethode von sich reden, die ebenfalls bei arthrotischen Veränderungen im Bereich großer und kleiner Gelenke sowie der Wirbelsäule zur Anwendung kommt: die Proliferationstherapie. Dabei übermitteln Spulensysteme niederfrequente Ströme in den Knorpel des erkrankten Gelenkes.
Diese Ströme entsprechen in Intensität, Dauer und Frequenz den natürlichen, körpereigenen Signalen. Sie sind somit auf das biologische Gewebe abgestimmt und werden deshalb von den Knorpelzellen als Information und Aufforderung verstanden, mit der Regeneration dies erkrankten Gewebes zu beginnen. Diese Regeneration bewirkt, dass durch Produktion von Knorpelgrund-substanz eine verbesserte Funktionsfähigkeit des Knorpels resultiert.
Das Therapieschema umfasst in der Regel sechs Behandlungseinheiten für 20 Minuten. Während der Behandlung sitzt oder liegt man entspannt, das zu behandelnde Gelenk oder die Wirbelsäule werden in einer Luftspule bequem gelagert. Der therapeutische Effekt wird durch die im Rahmen der traditionellen chinesischen Medizin durchgeführte Akupunktur noch verstärkt.
Erfahrungsgemäß setzt die heilende und schmerzlindernde Wirkung bereits am Ende der Behandlungsserie ein und erreicht ihren Höhepunkt nach sechs bis acht Wochen. Die Methode ist schmerzfrei, Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
Hauptindikation dieses Therapieverfahrens ist die Arthrose. Es kann jedoch auch bei Sport-verletzungen und vielen anderen Beschwerden an Gelenken, Wirbelsäule, Sehnen und Bändern erfolgreich angewandt werden.

Die meisten akuten und chronischen Schmerzen werden durch degenerative Veränderungen im Bereich des Bewegungsapparates verursacht. Viele Ärzte halten dabei die therapeutischen Möglichkeiten für sehr begrenzt und raten oft schnell zu einer Operation – zu schnell – wie der Orthopäde und Sportmediziner Herr Zarske aus Bochum meint. Er nimmt Stellung zur konservativen Behandlung insbesondere der Proliferations-therapie bei Arthrose.

Unter einer Arthrose versteht man eine Verschleißerscheinung der Gelenke, hervorgerufen durch einen chronischen, schmerzhaften und fortschreitenden Verlust der physiologischen Knorpelsubstanz. Häufig wird sie durch angeborene oder erworbene Fehlstellungen ausgelöst, wie z.B. bei einer Hüftgelenksdysplasie oder bei X- bzw. O-Beinen. Aber auch nach Unfällen, sportlichen oder beruflichen Überlastungen sowie bei einer genetischen Disposition kann der Knorpel schneller als normal Schaden nehmen. Hüften und Kniegelenke sind – weil sie das ganze Körpergewicht tragen müssen – besonders arthorsegefährdet. Da der Knorpel über keine eigenen Blutgefäße verfügt, ist auch eine Regeneration nur bedingt möglich.
Die Ernährung des Knorpels erfolgt ausschließlich über die sogenannte Synovialflüssigkeit, die von der Gelenkschleimhaut gebildet wird und regelrecht in den Knorpel „eingewalkt“ werden muss. Das heißt, regelmäßige Bewegung ist Voraussetzung für eine gute Versorgung des Knorpels. Bei Bewergungsmangel oder einer zu starken mechanischen Belastung ist die Ernährung des Knorpels gefährdet. Zunächst wird nur die Oberfläche weicher und dünner, später bilden sich Risse aus, bis im Endstadium die Knorpelschicht völlig abgerieben ist und auch der darunter liegende Knochen in Mitleidenschaft gezogen wird.

Möglichkeiten der Behandlung bei einer Hüft- bzw. Kniearthrose?
Die Behandlung einer Arthrose mit Medikamenten ist nur begrenzt möglich. Insbesondere die mit der Tabletteneinnahme oft verbundenen Nebenwirkungen schränken den Einsatz nicht steriodaler Antirheumatika, wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen oder COX 2-Hemmer noch weiter ein. Mit weniger Nebenwirkungen ist in der Regel die Injektion von Medikamenten direkt ins Gelenk verbunden. Allerdings sollte ein Gelenk maximal drimal mit dem stark wirkenden Entzündungshemmer Kortison behandelt werden. Bei längerer Anwendung droht sonst ein Zerfall des Knorpels. Als Alternative bietet sich heute die Injektion von Hyaluronsäure an, die ein normaler Bestandteil des Knorpels und der gesunden Gelenkflüssigkeit ist. Häufig werden solche Injektionen unter Röntgenkontrolle vorgenommen. Um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden, injizieren wir jedoch sowohl etzündungshemmende Medikamente als auch die Knorpelersatzstoffe unter sonografischer Kontrolle, das heißt ultraschallgesteuert.

Möglichkeiten den Knorpel zur Regeneration anzuregen haben wir in der Tat seit einigen Jahren mit der sogenannten Proliferationstherapie, die einen völlig anderen Ansatz hat und auf der biologischen Wirkung von niederfrequenten Strömen beruht. Während die Patienten entspannt sitzen oder liegen wirken über ein spezielles Spulensystem die therapeutischen Ströme auf den erkrankten Knorpel in der Hüfte bzw. in den Knien ein. Da diese Ströme den körpereigenen elektrischen Signalen entsprechen, werden sie vom Knorpel als Aufforderung zur Regeneration verstanden. Dadurch wird die Produktion von Knorpelgrundsubstanz angeregt, was eine spürbar verbesserte Funktion bewirkt. Übrigens kann die Proliferationstherapie auch sehr gut bei Sportverletzungen und vielen anderen Beschwerden an Gelenken, Wirbelsäule, Sehnen und Bändern erfolgreich angewendet werden. Die Behandlung dauert etwa 20 Minuten und wird in der Regel sechsmal durchgeführt. Unmittelbar nach der Behandlungsserie machen sich erste Effekte bemerkbar. Die Wirkung steigert sich dann noch erfahrungsgemäß in den folgenden sechs bis acht Wochen. Verstärkt werden kann der Erfolg durch eine Akupunkturbehandlung, die ja mittlerweile bei chronischen Knie- und LWS-Beschwerden von den Krankenkassen bezahlt wird. Abschließend möchte ich sagen, dass die Behandlung von Arthrose und chronischen Schmerzen immer ganzheitlich sein muss. Daher haben wir in unserer Praxis ein interdisziplinäres, individuelles Behandlungs- und Schmerztherapiekonzept entwickelt, das dort ansetzt, wo andere Therapieverfahren nicht mehr greifen. So gelingt es uns in den meisten Fällen, den Patienten eine gute Lebensqualität auch ohne Operation zu ermöglichen.
Konservative Therapiemöglichkeiten bei Arthrose:

  • Entzündungs- und schmerzhemmende Medikamente
  • Injektionen von Medikamenten direkt ins Gelenk
  • Akupunktur
  • Elektrische und elektromagnetische Stimulationen
  • Physiotherapie
  • Orthopädietechnische Verfahren